In der Schublade...Theater



 

Ha des isch doch die Anne. Ein Volksstück. (uv)

10 Schauspieler/innen

In sechs Bildern wird eine fiktive Geschichte gezeigt:

 

Exposé

 

Der junge Kaufmannssohn Wilhelm Christ möchte Anne, die Tochter eines jüdischen Geschäftsfreundes heiraten. Als die Hetze der Nationalsozialisten gegen die Juden immer ausgefeilter wird, ist Wilhelms Vater plötzlich gegen die Verbindung. Er gibt den Juden die Schuld am schlechten Geschäftsgang und will auch von seinem langjährigen Handelsvertreter keine Ware mehr abnehmen.

Anne liebt schon seit langem einen jungen Dreher, der mit ihr im selben Haus aufgewachsen ist. Als sie Paul trifft, rät dieser ihr zur Flucht. Sie bittet ihn um die Heirat, doch Paul kann und will sie nicht heiraten, da er gegen das neue Regime arbeitet und selbst in Gefahr ist, entdeckt und verhaftet zu werden.

Annes Vater sieht den einzigen Ausweg aus dem geschäftlichen und gesellschaftlichen Niedergang in einer Heirat mit Wilhelm Christ. Anne beugt sich den Verhältnissen.

Am 9. November bekommen Christs überraschend Besuch von einem ehemaligen Schulfreund, der jetzt  Gauleiter ist. Herr Christ berichtet, wie er günstig das Geschäft von Annes Vater übernommen hat.

Als Anne spät nachts läutet, öffnet ihr niemand. Sie flüchtet sich in ihrer Angst zu Pauls Eltern, die sie aufnehmen. Sie berichtet, was sich auf dem Ulmer Weinhof bei der Synagoge zugetragen hat.

Annes Vater erhängt sich in seiner Verzweiflung. Anne wird deportiert. Auf dem Bahnsteig trifft sie noch einmal mit Paul zusammen, der zum Militär eingezogen wurde. Sie erkennen verzweifelt die Unmöglichkeit einer Liebe in solchen Zeiten.


Textauszug:

Sophie:

Ich will beweisen euch

Dass für kurze Augenblicke

Der Mensch mit aller Kraft

Sich stemmen will und kann

Gegen den Lauf der Welt.

 

Hans:

Dann öffnet Staunen uns den Mund

Der Atem stockt

Die Hoffnung leuchtet auf

Wie eine seltne Blüte.

Und selbst der Glaube

Stellt sich wieder ein.


Sophie:

Doch da wir hier nur staunen

Sind am Werk es nicht genug

Und so erlahmt die Kraft

Unter den Schlägen, wolgezielter

Die jene spenden

Treibend in die andere Richtung


Hans:

Doch lasst uns sehn.

Es ist ein hart Geschäft

Von beiden Seiten.