Lyrik - Veranstaltungen


 



Kurzbericht - Eindrücke vom Lyrik-Festival in Novi Sad, von Adi Hübel

Autorinnen und Autoren aus Ulm
Einladung zum 3. Facebook-Festival in Novi Sad vom 2.- 6.3.2012


Novi Sad 2012Am vierten Tag, morgens, brachte uns das Taxi wieder zum Flughafen nach Belgrad zurück. Wir, das sind drei Mitglieder der Ulmer Autoren, Dietmar Herzog, Adi Hübel und Marco Kerler. Eingeladen war auch die in Ulm lebende Autorin Ilse Hehn, die Vizepräsidentin des Exil-P.E.N. Zentrum der Schrifsteller im Exil deutschsprachiger Länder.
Die in Ulm lebenden Organisatoren der Reise, Johann Lavundi, Autor und Übersetzer und Gudrun Blank, Lektorin des einladenden Verlages begleiteten uns auf unserer Reise.
Die Idee, deutsche LyrikerInnen nach Novi Sad, zur Buchmesse einzuladen, war von dem Verleger und Leiter des Banater Kulturzentrum, Radovan Vlahovic, ausgegangen.

Der Aufenthalt in dieser Stadt war spannend und reich an neuen Erfahrungen. Schon am ersten Abend waren wir alle zu einer kulturellen Veranstaltung eingeladen. Einige der Anwesenden kannten Ulm und Neu-Ulm recht gut und freuten sich, uns als Gäste zu begrüßen.
Der folgende Tag war dem Vortrag eigener Gedichten gewidmet. Die Bühne war in der großen Halle der Novi-Sader-Messe aufgebaut. Die Zuhörenden und TeilnehmerInnen waren interessiert und zahlreich gekommen, da der Verleger in diesem Jahr zum dritten Mal das Internationale Facebook Festival veranstaltete. Dazu hatten sich über das Internet mehr als dreihundertfünfzig schreibende Menschen mit ihren Gedichten angemeldet. Viele Lyriker/innen  waren auch selbst nach Novi Sad gekommen um so wie wir, ihre Gedichte dort auf der Bühne vorzutragen. Der erste Preis wurde einer deutsch/serbischen Autorin aus Bühl zugesprochen und am darauffolgenden Tag verkündet.

Am Montag, 3.3.12 besuchten wir dann einge Sehenswüdigkeite der Stadt. Ungemein beeindruckend die Festung Petrovaradin des Erbauers Vauban, die seit über zweihundert Jahren hoch über der Stadt trohnt. Atemberaubend auch der Blick von dort oben auf die, Ulm und Novi Sad verbindende Donau.
Um 12 Uhr mussten wir allerdings pünktlich wieder im Messegebäude erscheinen. Wir wurden vom Direktor der Messe und vom Kulturminister der Provinz Vojvodina, Milorad Djuric,  empfangen. Viel war von der kulturellen und multikulturellen Idendität und auch von Europa die Rede, nachdem Serbien vor einigen Tagen der Status eines Anwärterlandes auf die EU-Mitgliedschaft zugesprochen worden war. Nach der Eröffnung einer Ausstellung bildender Künstler, den 1. Preis erhielt eine beeindruckende Installation zur Deportation Verfolgter im 2. Weltkrieg, wurde am Nachmittag der von Johann Lavundi ins Deutsche übersetzte Gedichtband: „Vergeblich ich sie wecke (Uzalud je budim)“ des serbischen Dichters Branko
Miljković, präsentiert.
Ein abendlicher Gang durch das Zentrum Novi Sads brachte uns viele ungwöhnliche, charmante Einblicke und Eindrücke in Durchgänge und verwinkelte Innenräume.
Bei der Fahrt am Morgen des 6.3. nach Belgrad sahen wir dann links und rechts der Straße große zerfallende Gebäude. Ob die Zerstörung noch dem vergangenen Krieg oder eher doch der ganz gewöhnlichen Unbrauchbarkeit zuzuschreiben war, ließ sich nicht feststellen. Die Felder allerdings zeigten schon den grünen Schimmer des Frühlings.


 

Lyrik-Atelier in Venedig bei Christian Döring vom 26.3. bis 29. 3. 2009

Eine intensive und kreative Zeit.



   


Die Kritik war gefordert und wurde sehr gut aufgenommen. Für Lyriker/Innen sehr zu empfehlen.
Hier eine Glosse zur Vielfalt der Kritik (mit viel Vergnügen verfasst):

Venedig 25.-29.3. 2009 – Lyrik Atelier bei Christian Döring - Glosse

Allwissende Runde der Lyriker /innen
notiert von Adi Hübel nach der intensiven Diskussion vorgetragener Gedichte:

Erinnert mich das nicht an... an...von wem war das denn gleich, ach ja, von Eichendorff. Hatte der nicht auch etwas mit Luft... Es fällt mir nicht ein, aber es erinnert mich, ja, diese Zeile erinnert mich durchaus an Eichendorff. Das ist viel zu romantisch verklärend. Nein.


Und bei dir, die vielen Artikel. Was du gestern zu wenig hattest, hast du heute zu viel. Eindeutig. Also, diese DIE, solltest du unbedingt streichen oder wenigstens dezimieren.


Mag noch jemand Kaffee?

Gestern war ja die Sache mit Klopstocks Eimer. Na vielleicht findet sich die Verbindung mit dem Grund nicht unbedingt bei ihm, aber dennoch, ein Eimer war da auch mit im Spiel. Ich erinnere mich genau. Vielleicht solltest du solche Anspielungen vermeiden.
Ach, es war nicht deine Absicht. Aber, dann solltest du unbedingt noch intensiver daran arbeiten. Ja, an deinen Texten und natürlich an dieser Stelle. Da ist ja auch mit dem Zeilenumbruch nicht alles so glücklich gelaufen. Vielleicht könnte der Tropfen gestrichen werden. Besser wäre es allerdings, der Eimer bliebe bei Klopstock und du streichst ihn.


Noch jemand einen Prosecco?

Klar verändert das den Text. Aber wie du weißt, hat deine Nebensitzerin gestern mit ihren Vipern auch kein Glück gehabt. Vipern, du erinnerst dich. Schlangen hätte sie nehmen können. Am Besten das Gegenteil von Vipern, ich bin sowieso immer dafür, das Gegenteil zu nehmen. Blindschleichen kämen da in Frage, durchaus ungiftig. Aber diese Vipern haben mich ja fatal an... an wen nur erinnert. Na, sie hat es ja schnell eingesehen, diese Schlangenfrau.

Und du meine Güte, in diesem anderen Text, diese vielen Tiere. Ja reicht denn da eines nicht aus. Natürlich kann man bzw. frau die Bergmäuse ihrem Schlaf überlassen, aber müssen denn Gämsen und Hasen auch gleich mit in diese Steinhütten kriechen. Die Mäuse würden doch ausreichen. Das war, um mal offen zu reden, doch nun reichlich an Franziskus von Assisi angelehnt, findet ihr nicht? So etwas sollte nicht passieren. Ja, die Regenpfeifer waren ja dann auch ganz schnell aus dem Nest, ah, ich meine aus dem Text geschubst.

Im Übrigen hat ja ein Kreuzworträtsel absolut nichts in einem lyrischen Text zu suchen. Diese Kästchen, nein!!! Da ist mir dann eine lächelnde Luft schon lieber. Kästchenlos.


Ich würde noch gerne ein Wasser haben.

Wenn wir schon darüber sprechen, sollten wir auch dieses undefinierte Tier, dessen Fell an eine Ratte erinnerte (auch ein Hund war im Spiel, ich weiß) nicht vergessen. Eine Ratte, sich an einer Mauer schabend. Da könnte man ja gleich einen Bären (wegen des Felles) oder einen Pavian (wegen des Males), an die Mauern stellen und sich schaben lassen. Nein, diese elende Ratte war wirklich die Höhe. Was glauben denn diese Schreiberlinge, was sie einem noch alles so vorsetzen können.
Und von Schraten war die Rede. Im ersten Augenblick dachte ich an Schrot, na, das war es dann doch nicht. Es sind diese Halbtiere, die jedem von uns jederzeit begegnen, ja, die einem geradezu entgegenströmen. Sieben sollen sich schon in den Texten tummeln.
Fast hätte ich ja den rotbackigen Stieglitz vergessen. Siehst du, das ging mir ganz genau so: Rotbäckchen, ja, du hast recht. Dieses Stärkungsmittel sollten Delfinschwimmer unbedingt zu sich nehmen vor ihrem präkognitiven Start. Das gibt Kraft.
(So eine Kraft hatten die ja alle nur beim abendlichen Weinglas).


Ich nähme, Verzeihung, ich nehme noch ein Glas Prosecco.

Fast hätte ich mich noch mit NÄHME und HÜLFE bekleckert. Da sind diese so genannten Dichter und Dichterinnen doch der Ansicht, alles aufschreiben zu können. Keine Frage nach Sinn oder Unsinn, Rhythmus oder Zeilenbruch, nach prosaischer Lyrik oder lyrischer Prosa. Da lobe ich mir doch die Lastadien. Immer noch besser als dieser moralische Zeigefinger, oder waren es zwei?

Am schlimmsten sind ja die aus dem letzen Jahrhundert. Meine Güte, keine Ahnung von moderner Schreibe. Die kramen doch tatsächlich noch all die alten Kamellen hervor wie Liebe und Tod, Sehnsucht und Sterne. Ich kann so was nicht mehr hören. Im Frühling lassen sie dann auch noch die Vögel pfeifen. Da musst du nur genau hinlesen, ein Vogelton ist allemal drin.
Da kann ja jeder gleich beim ersten Mal lesen erkennen, worum es geht. Hat da nicht einer sogar einen russischen Dichter sechsundsechzig Mal in Venedig begraben, und das auch noch mit einem haarigen Büschel. Nein, so nicht.


Die Oliven sind wirklich vortrefflich.

Heutzutage darf ein Gedicht doch nicht schon beim ersten Lesen verstanden werden. Wir müssen die wenigen, uns noch verbliebenen Lesenden von Lyrik dazu zwingen, jedes unserer Gedichte immer und immer wieder zu lesen, solange, bis sie für sich eine schlüssige Interpretation gefunden haben. Das kann zwar dauern, aber es kann nur erfolgreich sein. Mit dieser Methode hätten wir den akuten Schwund von Gedichtkonsumenten nach der Zahl wieder ausgeglichen. Geben wir elf uns also alle ein wenig Mühe und beherzigen diese meine Anmerkungen.


Wir sollten zum Abendessen schreiten.



Venedig fern

Ich werde fremd sein.
Die Kanäle gehen mit mir
durch die Gassen.

Die hohe Brücke bröckelt.
Wo sind sie nun
die heiteren Mimosen.

Schau jene Mauer,
dort schabt der Tod sein Fell.
Er wird mit seinem wunden Mal
schwarz-feurig mich berühren.


© Adi Hübel, Schlossergasse 4/1, 89077 Ulm/ adi.huebel@t-online.de/ www.adihuebel.de