An dieser Stelle finden Sie Beiträge aus der Presse über Adi Hübel:
NEUERSCHEINUNG:
CD: S PARADIES oder Schwäbisch isch sche
Gedichte von und mit Adi Hübel, Musik von Moni Bothe, Akkordeon
Besprechung:
fehrgelesen
Das Literaturportal für die Region Ulm/Neu-Ulm
Adi Hübels Gedichte-CD S Paradies
Mundart-Gedichte und Akkordeonklänge
„Schwäbisch isch schee“, meint Adi Hübel und so hat sie kurz vor Weihnachten die CD S Paradies veröffentlicht, die vor allem die Liebhaber von Mundartgedichten erfreuen dürfte, denn es finden sich auf ihr zahlreiche schwäbische aber auch ein paar auf Hochdeutsch verfasste Gedichte.
Isch Schwäbisch au schee?
Lyrik schreibt die Ulmerin Adi Hübel schon lange, es sind bereits einige Gedichtbände von ihr oder mit ihrer Beteiligung erschienen, darunter "Versprechen" und "Gedichte aus dem Ulmer Winkel". Im vergangenen Dezember nun, erschien die CD "S Paradies". Sie enthält Gedichte aus den diversen Buchveröffentlichungen Hübels, die von der Autorin selbst eingelesen wurden. Umrahmt werden die lyrischen Vorträge von Moni Bothe mit dem Akkordeon. Bothe ist Mitglied der Band Safran, die von Klezmer über europäische Folk-Musik bis hin zu Musik aus aller Welt alles spielt und Mancher hat sie vielleicht auch schon in der theaterWerkstatt gehört.
Sieben Musikstücke, allesamt Traditionals aus verschiedenen Ländern, und elf Gedichte sind auf der CD zu hören, die meisten Gedichte in schwäbischer Mundart und vor allem beim Hören der ersten beiden Gedichte Schwäbisch und Kirscha entsteht der Eindruck als habe man gerade beim Bayerischen Fernsehen hineingezappt in eine Sendung mit dem längst verstorbenen Fritz Straßner, nur dass die Stimme hier weiblich ist, nicht bayerisch, sondern schwäbisch spricht und davor und danach keine Stubenmusi sondern ruhige Akkordeonmusik erklingt. Ansonsten hinterlässt das Gehörte jedoch den gleichen heiter-besinnlichen Eindruck, wie man ihn manchmal beim Hineinzappen in einige bayerische Sendungen erlebt, etwa wenn Adi Hübel in Schwäbisch fragt, ob sie denn nun sagen solle „Schwäbisch isch schee“ oder „Schwäbisch isch au schee“? „Au schee“ hieße aber, zu vergleichen und zu relativieren, das jedoch will sie nicht. Die Nachbarn allerdings haben die richtige Lösung: „Schwäbisch isch scho schee“ und „des basst“.
Heiter-Besinnlich und entspannend
Mitunter etwas lebhafter, auch in der Vortragsweise, sind einige weitere Gedichte, darunter das titelgebende S Paradies und D Muschl. Insgesamt aber bleibt der Eindruck: Diese CD ist nicht nur etwas für Mundartfreunde, sondern vor allem auch etwas für Entspannungsbedürftige, geeignet für ruhige Stunden fern von aller Hektik. Das gilt nicht nur für die Gedichte, sondern auch für die passend gewählte musikalische Begleitung von Moni Bothe.
Adi Hübel/Moni Bothe: S Paradies, CD. Erschienen im Dezember 2011. Zu beziehen über Adi Hübel oder den Produzenten Sound Circle Music in Neu-Ulm.
CD zu beziehen über:
Sound Circle Music, Neu-Ulm –
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12.90 € oder direkt bei
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Adi Hübel Tel. 0731-25155
CD- Vorstellung:
16. 03. 2012 - 20.00 h - S PARADIES - CD Vorstellung/ theaterWerkstatt Ulm
Interview mit Adi Hübel in Neu-Ulmer Zeitung vom 7. Oktober 2011:
Lyriker in der Region (3) von Michael Peter Bluhm, Ulm
Adi Hübel ist auch mit 72 ein Energiebündel – und schreibt feinfühlige Gedichte, auch im schwäbischen Dialekt
Alles aus Leidenschaft
Friedrich Hölderlin und Adi Hübel sind einerseits Persönlichkeiten, die gegensätzlicher nicht sein können. Andrerseits verbindet die Ulmer Lyrikerin und das schwäbische Dichtergenie einiges: den Lehrerberuf in früheren Zeiten und eine lebenslange Liebe zur Natur und menschlichen Sehnsüchten, die sie in wunderbare Verse in ihren Turmzimmern übersetzt haben.
Während aber Hölderlin auf tragische Weise in geistiger Umnachtung in seinem Tübinger Turmzimmer 1843 starb, ist Adi Hübel heute mit 72 Jahren ein putzmunteres Energiebündel, das in ihrem abgeschiedenen Schreibzimmer in der Donaubastion seine Schaffenskraft voll entfalten kann.
Täglich von neun bis 13 Uhr wird im Turm gearbeitet
Sie hat sich quasi als Halbtagskraft von täglich neun bis 13 Uhr mit eiserner Energie selbst beschäftigt in diesem Zimmerrund, in dem früher ein Komponist arbeitete. Dessen Klavier steht unberührt, aber stilvoll immer noch im Turm und stört die Vielbeschäftigte beim Dichten und Denken nicht im Mindesten. Hier findet die Mutter von vier erwachsenen Kindern und Großmutter von acht Enkelkindern die Muße, an ihren Gedicht- und sonstigen Projekten zu arbeiten. Zu Hause bleibt im Trubel der Großfamilie die Konzentration auf der Strecke.
Während sie die Kinder in Ulm aufzog, holte die gelernte zahnärztliche Helferin ihre Fachhochschulreife im Telekolleg nach, studierte und wurde Hauptschullehrerin. Ein Brotberuf, wie die ehemalige Alleinerziehende heute sagt, um die Familie durchzubringen. Doch schon als Kind träumte sie von den Brettern, die die Welt bedeuten: Die Liebe zum Theater war ihr in die Wiege gelegt, bereits im Sportverein spielte sie bei den Kindertheaterstücken immer die schwierigen Rollen, bevorzugt Hexen. Als ihre eigenen Kinder studierten und ein Bausparvertrag ausbezahlt wurde, nahm die Lehrerin eine Auszeit und studierte in München Theaterwissen-schaften und neue deutsche Literatur. Die Professoren wurden auf ihr Regietalent aufmerksam und wollten sie in München halten, doch Sachzwänge ließen sie nach Ulm zurückkehren, um ihr Leben weiterhin mit dem Lehrberuf zu finanzieren – freilich ohne ihre Leidenschaft aufzugeben.
1988 gründet Adi Hübel die Theaterwerkstatt Ulm, eröffnet das Kindertheater Kinkerlitzchen, macht zudem einen Ausflug in die Kommunalpolitik, wo sie eine Legislaturperiode als kantige Stadträtin in der Grünen-Fraktion wirkt, und engagiert sich in mehreren Frauen-projekten. Sicherheitsgedanken sind diesem Ausbund an Tatenfreude fremd, deswegen hängt Hübel 1990 ihr Berufsbeamtentum an den Nagel und widmet sich mit voller Kraft ihrer Theaterwerkstatt. Den Vorsitz gibt sie erst 2009 ab, um sich noch intensiver dem Schreiben widmen zu können. Prosa, Theaterstücke, ein Krimi bereits in zweiter Auflage („Tod in Ulm“) und viele Gedichte sind die Ausbeute ihres Schaffensdrangs.
Feine Gefühle in schwäbischen Versen
Die Lyrik ist im Verlauf ihrer nicht enden wollender Sturm- und Drangzeit immer wichtiger geworden. In ihrem aktuellen Gedichtband „Versprechen“ finden sich auch Mundartgedichte wie „Schwäb isch au schea“, eine Hommage an diesen Dialekt, in dem sich für Hübel die Emotionalität so gut in Worte verpacken lässt. So widmet sie ein feinfühliges Herbstgedicht ihrer besten Freundin Rosa, die mit 90 im Spätherbst ihres Lebens ist: „Langsam, dua no langsam Baum, was hoschd denn do drvo, wenn da de schnell verfärbscht?“, wird es eingeleitet. Lesenswert in diesem Buch, das 2010 verlegt wurde, sind auch Adi Hübels sogenannte „Fitzelgedichte“, Poesie zum Nachdenken quasi im Sekundentakt wie bei „Novembermai“: „Schwalbengeschrei / Tastenklirren / Stehendes Lächeln / Im Maiglöckchenbett / Verwirrender Nebelzug.“ Auch poetische Liebeserklärungen an das Leben gibt es in den Gedichten von Hübel zuhauf wie „Mitten“: „Sucht meine Hand / Mitten im Schlaf, / Legt sie aufs Herz sich. / Spür ich, / den Rhythmus der Welt.“ Der Schalk sitzt Adi Hübel bei allen romantischen Gefühlen aber auch stets im Nacken. Wie entstehen die Gedichte von Adi Hübel? Zunächst fällt ihr eine Zeile ein, wie derzeit aktuell „Weil Fische keine Eile haben“. Dann ergeben sich aus den Stimmungen heraus weitere Zeilen, bis die Verse rund sind. Aber auch Schmerz, etwa der Verlust eines wertvollen Menschen, wird bei Adi Hübel in Lyrik umgesetzt. „Ich bin eine Gefühlsschreiberin“, sagt sie von sich.
Feier und Feuerwerk auf dem Münsterplatz
Aber auch eine mit bissigem Humor. Den spürt man auch bei einem weiteren Großprojekt, das die Autorin derzeit vorbereitet: Nachdem bekannt wurde, dass die Jubiläumsfeier einer Ulmer Firma auf dem Münsterplatz nur 500 Euro Miete gekostet hat, will Adi Hübel ihren 73. Geburtstag auch an dieser Stelle in einem Zelt feiern – zum selben Preis natürlich. Nachdem das Jubelfest auf einen Mittwoch fällt, müsste der Wochenmarkt verlegt werden und einen professionellen Pyrotechniker hat sie auch schon an der Hand für ein „kleines Feuerwerkchen“. Ein entsprechender Antrag an die Bürgerdienste ist schon unterwegs. Ein Gönner in der Stadtverwaltung wird sich schon für Hübel in dieser Angelegenheit finden, die in Ulm Kulturgeschichte geschrieben hat.
Neues Gedicht
Exklusiv für die NUZ-Leser das neueste Gedicht von Adi Hübel, das noch nicht erschienen ist:
Verhängnis
Heinrich der Wagen bricht.
Heinrich
der Wagen,
der Wagen der uns
so lange getragen
er bricht!
Der Reifen springt
mit sirrendem Ton.
Sieh die klaffende Wunde,
den Spalt
den roten so blutig.
So purpurn schreiend.
Dort quellen heraus mir
die guten Tage.
Die blaue Zärtlichkeit
unserer Nächte
sie rinnt dahin.
Heinrich, der Wagen bricht.
Hörst Du den sirrenden Ton?
Der Reifen, er sprang.
Es tropft hinab
aus der Wunde
ein um das andere
all die Küsse
die mir die Süße
der Jahre belegten.
Es fließt hintendrein
deine Stimme
den Klang schon verloren
den köstlichen
leidenschaftlichen, zarten.
Und deine Hände,
die lang ich gespürt
auf der Haut, der warmen,
sie hängen herab,
verdorren mir vor den Augen
Heinrich, der Wagen,
er bricht.