Bis zum bitteren Ende (Arbeitstitel). Roman. (uv)
Die gerade vierzigjährige Elisabeth musste sich im Krankenhaus in der nahe gelegenen Großstadt untersuchen lassen. Mit der Bahn fährt sie am Nachmittag zurück in die kleine Stadt an der Donau, in der sie als Lehrerin unterrichtet.
Auf dem Nachhauseweg erinnert sie sich an ihre erste Ehe, das Studium, an die Schwiegereltern, an den Beginn ihrer Krankheit.
Sie verbringt eine Nacht, einen Tag und wieder eine Nacht in einem kleinen Haus, das sie als Zufluchtsstätte gemietet und eingerichtet hat. Ein Gewitter zieht auf. Während Elisabeth den Regen genießt, kommen ihr frühere Erlebnisse in ähnlichen Situationen in den Sinn.
Da sie weiß, dass sie nicht mehr allzu lange zu leben hat, beschließt sie, eine Liste der Dinge zu erstellen, die ihr noch wichtig sind und die sie noch erledigen möchte. Die bedrückende Situation im Zusammenleben mit ihrem zweiten Mann Max und der kürzliche Selbstmordversuch ihrer Tochter aus erster Ehe machen ihr zu schaffen.
Die Erkenntnise ihres eigenen Versagens lassen sich nicht mehr verdecken. Elisabeth entschließt sich, zu handeln. Das tragische Geschehen nimmt seinen Lauf. Der Roman hat ca. 130 Seiten. Der Titel ist nicht fest gelegt.
Auszug: Elisabeth war froh, doch mit dem Zug gefahren zu sein. Sie hatte sich schwer entschließen können. Das Autofahren war ihr zu mühsam erschienen, die Bahn zu umständlich. Jetzt genoss sie es, sich nicht selbst durch den Verkehr kämpfen zu müssen. Auf dem Bahnsteig stand bereits der Regionalzug. Sie hätte auch auf einen IC warten können. Manchmal hielten diese ja aus nicht zu durchschauenden Gründen auch an ihrem Ziel. Doch der Bummelzug war ihr recht. Am frühen Nachmittag war er fast leer und sie hatte einen Waggon vorerst für sich. Es war einer dieser Züge, in denen man zwar hörte, dass Reisende zustiegen, sie aber nicht sah, wenn sie weiter entfernt Platz nahmen. So stiegen auch heute nacheinander drei Mitfahrende ein und Elisabeth gefiel es, sich die drei auszumalen. Es war still im Abteil, nur die Geräusche des Bahnhofs draußen machten die Stille erträglich. Niemand sprach. Hin und wieder raschelte das Blatt einer Zeitung. Ja, überlegte sich Elisabeth, ich tippe auf einen Mann mit Zeitung und auf zwei Frauen. Wahrscheinlich mit Einkaufstüten neben sich auf den Sitzen. Als ihr bewusst wurde, in welchen Klischees sie dachte, musste sie lächeln. Das wäre einmal wieder ein gefundenes Fressen für Max. Wieso sollte nicht die Frau mit der Zeitung beschäftigt sein und zwei Männer gelangweilt aus dem Fenster starren. Wenn es so ist, dachte sie, nein, entfuhr es ihr, wenn es Mann gleich Zeitung, Frau und Frau mit Einkauf ist, wenn das stimmt, werde ich wieder gesund. Es schien ihr sicherer so.
Das alte Spiel, immer das alte Spiel. Sie spielte es seit ihrer Kindheit: Wenn der Zug mehr als zehn Waggons hat, wenn die Zaunleisten eine gerade Zahl ergeben, wenn die Freundin sich noch einmal umsieht, wenn, wenn, wenn - dann. Hoffnungen hatten sich aus diesem Spiel ergeben, so plötzlich hatte sich Trauer und Verlorenheit in Zuversicht gewandelt. Sie hatte daran geglaubt, auch wenn die geweissagte Lösung und Wendung sich ins Gegenteil verkehrt hatte. Die Schuld hatte sie bei sich gesucht. Sie hatte das Zaubermittel nicht genau genug angewandt, hatte den falschen Moment erwischt, hatte nicht fest genug an die Wirkung geglaubt. Es war aufregend, sich der Auflösung des Vorgedachten und Erwarteten zu nähern. Der kleine, tief verborgene Rest der Unsicherheit durfte nicht zur Oberfläche dringen. Elisabeth ging nach vorne durch den Wagen und besah sich ihre Mitspielerinnen. Tatsächlich waren es drei Frauen. Zwei von ihnen lasen, die dritte sah sie neugierig an und grüßte. Elisabeth war enttäuscht. Damit hatte sie nicht gerechnet. Andererseits tröstete es sie jedoch über den Misserfolg, der keiner war, da die Bedingungen nicht zutrafen. Eine Ansammlung von Menschen also, die für ihre Situation von keinerlei Bedeutung war. Auch gut, so blieb die Frage gesund werden oder krank bleiben wieder einmal in der Schwebe.
Am Ende des Zuges hatte ein Schaffner begonnen die Türen zu schließen. Die Menschen die noch auf dem Bahnsteig gesprochen hatten, stiegen hastig ein. Obwohl die endgültige Abfahrt des Zuges aus dem Lautsprecher dröhnte, wirkte die Abfahrt gemächlich.
Elisabeth war zu ihrem Platz zurückgegangen. Sie freute sich, der Hitze und dem Gestank der Stadt zu entkommen. Sie liebte die Strecke entlang des Flusses. Als sie die ersten Büsche und das Wasser sah, musste sie an Max denken. Am Anfang ihrer Beziehung waren sie einige male zum Sonnenbaden hierher gekommen und hatten sich ausgiebig miteinander vergnügt. Sie wollte noch nicht an ihn denken und konnte doch nicht verhindern, dass ein bedauerndes und unangenehmes Gefühl sie beschlich.
Wie oft sie diese Strecke schon gefahren war. Sie liebte den Geruch nach Hitze und Wasser, kannte ihn seit ihrer Kindheit.
Kein Wunder, dass es eine Liebe geworden war zwischen ihr und der Landschaft. An einigen Stellen sah sie badende Kinder. Früher hatte sie das auch gemacht, inzwischen war ihr der Fluss zu schmutzig. Im übrigen bereitete ihr das Schwimmen im Moment sowieso Schwierigkeiten. Brustlos dachte sie, einbrüstig, aber nicht einarmig, noch nicht. Es fühlte sich immer noch merkwürdig an. Vielleicht würde ich sie nicht so vermissen, wenn sie ganz klein gewesen wäre oder wenn Max besser damit zurecht käme. Bei diesem Gedanken wurde ihr der Hals eng. Hastig schluckte sie Schmerzen und aufsteigende Tränen hinunter. Sie hatte sich doch vorgenommen hart zu werden. Mühsam, sich in etwas einzuüben, was einem nicht entsprach. Sie hätte doch ihre Freundin besuchen und das bedrückende Verhalten von Max mit ihr bereden sollen. Jetzt tat es ihr leid um die verlorene Aussprache.